1001 Nacht - Das Thema zum Geschichten erzählen!

So, mir ist mal wieder etwas eingefallen. Viele von uns schreiben ja auch gerne. Da dachte ich mir wir könnten hier einen kleinen Storythread erstellen.
Ich dachte mir das so - man schreibt einen Teil einer Geschichte und/oder Reizwörter. Der nächste schreibt eine Geschichte drumherum und darunter auch wieder einen neuen Inspirationsfetzen.

Da ich hier nun anfange, es aber unfair fände es mir hier leicht zu machen, bekommt ihr von mir auch gleich noch eine Geschichte, die ebenfalls aus Reizwörtern, bzw. Bildern entstand (ich glaube es waren sieben verschiedne Dolche, ein Leuchtkristall, eine Burg im Schnee, eine Laterne, eine Klampfe, viele der genannten Waffen waren glaub auch dabei):

Ein Wintermärchen
Er stand bis zum Bauchnabel im Schnee, aber als sich Cecilia, eine Zentaurin mit weißem Fell, zu ihm runter beugte, um im anzubieten auf ihr zu reiten, lehnte er entschieden ab. Das ging gegen seine Zwergenehre. Als würde ihn das bisschen Schnee stören! Die Flocken, die vom Himmel tanzten, wurden langsam dichter und die Burg, auf die, die kleine Gruppe zuhielt wurde unsichtbar in der weißen Wand aus Schnee. Jangarak kämpfte sich stetig voran, viel aber langsam zurück. Als Zwerg in einer Gruppe aus Menschen und einer Frau mit Pferdearsch hatte man es eben nicht leicht. Hoffentlich hatte die Burg Rosenschön mehr zu bieten als kitschigen Stuck und Malereien… Eine ordentliche Schenke mit gutem Essen und einen vollen Weinkeller zum Beispiel. Diese Vorstellung trieb ihn wieder an. Auch war er absolut nicht der einzige, der an Essen und ein warmes Feuer dachte. So kamen die Gefährten trotzdem voran, obwohl inzwischen auch noch Wind aufgekommen war und die Schneeflocken ihnen jetzt kalt und hart ins Gesicht peitschten. Baldemarus zog seinen Mantel enger. Er hasste den Winter. Vor allem den Schnee. Als der Pirat, der eigentlich Paule hieß und noch nie auch nur in der Nähe des Meeres gewesen war, aber einen Haken, statt einer rechten Hand hatte, ihm einen Schluck Rum aus seinem Flachmann anbot, nahm Baldemarus dankbar an und reichte weiter. Manchmal fragte er sich, warum er sich nur auf diese sinnlose Suche eingelassen hatte. Er hätte am Hofe des Königs arbeiten können… Stattdessen kämpfte er sich durch immer höher werdenden Schnee, um einen ominösen Blinden zu treffen, der angeblich Hellsehen konnte… „Hans, wie weit ist es noch?!“, Jangarak schnaufte, während, er bis zu Hans aufschloss, dem heimliche Anführer der Gruppe. „Siehst du da vorn? Du kannst die Umrisse von Rosenschön schon erkennen. Bei dem Schneegestöber kann das nur heißen, dass wir in weniger als einer Stunde dort sind. Es ist nicht mehr weit.“ Tatsächlich erhob sich eine unförmige graue Masse vor ihnen, deren Umrisse immer deutlicher wurden. Bald schon erkannten die Reisenden kleine Türmchen, rund um einen großen Turm, der weit in den Himmel ragte. Die Burg war eine Mischung aus Burg und Schloss. Es war eindeutig ein ästhetischer Bau, mit schlanken, filigranen Aspekten, aber die dicken Burg- und Stadtmauern zeigten deutlich – das hier steht nicht nur da zum gut aussehen, das hier ist für Kriegszeiten gebaut. Tatsächlich war der große Turm in der Mitte, auf dessen Dach als einziges kein Schnee lag, der wohl sicherste Ort in diesem Land. Das lag zum einen daran, dass Fürst Erasmus über die Edelsteinminen verfügte und vielleicht sogar reicher als der König selbst war und zum anderen an den plündernden Trollhorden, die immer wieder aus den Bergen kamen und klarstellten, dass das mal ihr Land gewesen war und sie gedachten es sich wieder zurück zu holen. Als die Fünf endlich über die schmale Zugbrücke – es konnten immer höchstens zwei nebeneinander gehen – den Stadtgraben überquerten durchströmte sie ein unheimliches Gefühl. Irgendetwas stimmte mit dieser Stadt mit ihrer winterlichen Burg in ihrer Mitte nicht. Etwas Düsteres haftete an ihr, wie der Geruch einer Krankheit. Cecilia durchlief ein Frösteln. Dennoch pochte sie beherzt mit einem Huf an das eichene Tor. Ein ziemlich hässlicher Mann öffnete eine kleine Luke und hielt eine kleine Laterne hoch. „Was wollt ihr?!“ Hans drängte sich nach vorne und setzte ein charmantes Lächeln auf. „Wir würden gern den blinden Weisen besuchen. Es heißt er sei hier, in dieser schönsten aller Burgen.“ Der Mann zog die Nase hoch und rotzte auf den Boden. „Es ist unüblich bei einem solchen Sturm zu kommen, nur um mit einem blinden Narren zu reden. Also was wollt ihr wirklich?!“ Hans nickte ernst. „Ihr seid klug und macht eure Arbeit sehr gut. Ich hätte euch auch diesen Posten gegeben. Ich muss zugeben, wir sind nicht so klug, wir haben uns verlaufen…“ Dabei errötete er ein bisschen. Der Pirat riss sich zusammen, um nicht zu lachen. Hans war mit Abstand der beste Schauspieler den es gab. Unwillkürlich fragte er sich, wie oft er ihm wohl schon auf den Leim gegangen war. Der Mann hinter dem Tor hatte es jedenfalls geschluckt. Schmeicheleien und Selbsterniedrigung, wirken immer wieder Wunder. Hans schaute noch ein wenig verlegen, bis sie das Tor passiert hatten und blickte dann mit einem selbstgefälligen Grinsen in die Runde. „Ich hab‘ gehört die Schenke „Zum fließenden Bier“ soll ganz ausgezeichneten Braten haben!“ Er führte sie durch ein dichtes Gewirr von Straßen, durch das kleine Städtchen Rosenschön. Es war nur wenig los und das Gefühl, das etwas Bedrohliches hier verborgen war wurde immer stärker, desto näher sie der Burg kamen. Das Gasthaus war an die Außenseite der Burgmauer gebaut und der Geruch nach Braten ging von ihm aus. Jangarak grinste. Auch wenn es hier irgendwie unheimlich war – zu mindestens würde ihre Suche nicht mit leerem Magen enden! Als sie eintraten umfing sie wohlige Wärme und ein Mädchen spielte eine fröhliche Melodie auf einer Klampfe. Baldemarus stritt sich kurz mit dem Wirt, der Cecilia nicht eintreten lassen wollte, doch nachdem er eine Goldmünze auf den Tisch gelegt hatte, waren der Streit zu Ende und die Zentaurin herzlich willkommen. Müde von der langen Reise setzten sich die Freunde an einen Tisch in der Nähe eines Kohlebeckens und ließen sich den wirklich köstlichen Schweinebraten schmecken. Cecilia wandte sich an Hans. „Wieso kennst du dich hier eigentlich so gut aus? Warst du hier schon mal?“ „Ich habe hier gearbeitet…“ Er wich ihrem fragenden Blick aus und begann schnell mit einem neuen Gesprächsthema, wobei er die Stimme senkte. „Gestern hat der Kristall endlich angefangen zu leuchten. Heißt das Horn kann nicht mehr weit sein.“ Sofort verstummten die anderen Gespräche am Tisch. Der Kristall war der Grund weshalb sie überhaupt mit ihrer langen Suche begonnen hatten. Das war vor sieben Monden. Damals besuchte Hans sie einer nach dem anderen, zeigte ihnen den Kristall und erzählte einer fantastische Geschichte. Erst waren sie misstrauisch gewesen, vor allem Baldemarus, aber dann hatten sie diesem fremden Mann, mit seinem beliebigen Aussehen und seiner diplomatischen Zunge geglaubt. Der Stein würde ihnen den Weg zum magischen Rufhorn zeigen. Ein mächtiges Artefakt, welches die Macht besaß einen Drachen oder ein schwarzes Einhorn zu rufen. Man sagte der Drache würde im Krieg alle Feinde vernichten und das Einhorn könne alle Verletzungen und Krankheiten heilen. Jedoch konnte es nur gefunden werden, wenn der Träger des Steins vier Gefährten fand, die das Horn nicht für sich selbst verwenden wollten und auch er selbst nicht das zum Ziel hatte. Ihre Suche hatte sie kreuz und quer durchs Land geführt, doch alles was sie bisher herausgefunden hatten, führte nur darauf hinaus, dass sie einen blinden Narren befragen sollten. „Woher weißt du was das Leuchten bedeutet?“ Der Pirat schaute ihn zweifelnd an. „Es könnte auch sein, dass er uns warnen möchte… Hier ist es seltsam…“ „Er hat recht!“, warf Baldemarus ein. Hans lächelte. „Ihr wisst doch – er leuchtet jedes Mal auf, wenn wir einen Schritt weiter sind. Er hat geleuchtet, als ich ihn gefunden habe und jedes Mal, wenn ich einen von euch gefunden habe und ihr zugestimmt habt.“ „Vielleicht heißt das auch einfach nur, dass ihr mich gefunden habt.“ Erschrocken blickten die Gefährten auf. Neben ihren Tisch stand vornübergebeugt ein alter Mann. Er stütze sich auf einen Gehstock und hielt den Kopf seltsam geneigt. „Wer seid Ihr und warum belauscht Ihr uns?“ Der Pirat starte den Greis wütend an. „Aber, aber. Ihr wolltet mich doch treffen.“ Der Blinde lächelte und entblößte eine Reihe gelblicher Zähne. Cecilia sah in abschätzend an. „Seid Ihr der blinde Weise?“ „Nun, manche nennen mich so.“ Er setzte sich erstaunlich zielsicher auf Cecilias Stuhl, den sie selbst logischerweise nicht brauchte. „Aber das ist nicht von Belang. Ich kann euch sagen, wie ihr findet was ihr sucht. Ich selbst habe lange danach gesucht und es trotz mächtiger Magie nicht gefunden. Doch ich war selbstsüchtig und dumm. Ich war nicht der Richtige das Horn zu finden. Durch meine Suche habe ich alles verloren was mir wichtig war. Meine große Liebe, meine Familie zum Schluss sogar meine Magie. Ich musste erst alles, wirklich alles verlieren, um zu erkennen, dass Macht nicht Alles ist. Ich habe den Kristall daraufhin meinem Falken gegeben und ihn gebeten ihn zu verstecken.“ „Wie kann das sein, wenn Ihr nicht mehr Magie wirken konntet?“, warf Jangarak ein. „Oh, mit Tieren sprechen ist eine Gabe, keine Magie.“ Ein Lächeln huschte über sein Gesicht. „Jedenfalls weiß ich inzwischen, wie man das Horn finden kann.“ Er nahm ein kleines Buch aus seiner Manteltasche und schlug es auf. Es hatte nur sieben Seiten und auf jeder davon war ein Dolch abgebildet. „Einem von euch müssten diese Dolche bekannt vorkommen. Das sind die sechs Helfer, mit je einer magischen Eigenschaft, das Buch hier ist der Wegweiser und der Ritualdolch, wird euch schließlich ans Ziel bringen. Der Kristall zeigt an wie nah ihr eurem Ziel seid, je nach dem wechselt er seine Farbe. Ab jetzt wird er durchgehend leuchten, denn ab jetzt seid ihr wirklich auf dem Weg.“ Baldemarus setzte an etwas zu sagen, doch da war der alte Mann auch schon verschwunden. Sie hatten sein Verschwinden nicht gesehen. Er war da gewesen und jetzt war er weg. Auch die anderen Gäste waren nicht mehr da und auch das Mädchen mit der Klampfe. Aber das sie das nicht mitbekommen hatten, konnte auch an dem Gespräch gelegen haben. Aber wo war der Greis hin? Verwirrt schauten sie umher, doch nichts deutete darauf hin, dass der blinde Weise je da gewesen war, nur das Büchlein lag noch auf dem Tisch. Baldemarus schlug es auf. Jetzt war auf der ersten Seite eine Karte abgebildet, die anderen waren leer. Der Pirat wollte gerade das Buch an sich nehmen, als plötzlich dreizehn Bauern, bewaffnet mit Äxten und Spitzhacken in die Schänke stürmten. Einer griff nach dem Buch und verschwand, die anderen griffen an. Der Wirt floh hinter die Theke und duckte sich. Cecilia bäumte sich auf und trat mit ihren Hufen nach den Angreifern und schlug mit dem Schwert nach ihnen, dann preschte sie dem mit dem Buch hinterher. Die anderen wehrten sich verbissen gegen die Bauern, die dafür, dass sie nur Bauern waren, erschreckend gut kämpften. Jangarak spaltete mit seiner Zwergenaxt einen Schädel, während Baldemarus eine Phiole mitten unter sie warf, die mit einem lauten Knall explodierte und ihren ätzenden Inhalt auf die elf verbliebenden Feinde verteilte, jedoch bekam auch der Pirat ein paar Spritzer ab. Er brüllte laut auf vor Schmerz, denn die Säure brannte wie Feuer und ätzte tiefe Löcher in seine Haut. Er taumelte zurück. Die Bauern hingegen schienen nichts zu spüren. Hans nahm seinen Zinnkrug und schüttete dessen Inhalt über den Pirat. Eines der Grabwerkzeuge grub sich genau in diesem Moment tief in seine linke Schulter. Sein Rapier viel mit einem klirrenden Geräusch zu Boden. Er taumelte zurück, im tanzten Sterne vor den Augen. Einer der Axtkämpfer dem die Seite bis auf die Rippen weggeätzt war holte zum vernichtenden Schlag aus. Kurz bevor die Schneide Hans Kopf erreichte, wurde sie zur Seite gerissen und schlug tief in die groben Dielenboden ein. Der Pirat fuhr erneut mit seiner Hakenhand nach vorne und riss mit ihr dem Angreifer die Kehle heraus. Unterdessen hatte auch die Zwergenaxt ihre Opfer gefordert, drei Bauern lagen ausgestreckt vor Jangarak. Einer taumelte in die glühenden Kohlen des Kohlebeckens – im war einer seiner Füße weggeätzt. Baldemarus schleuderte noch eine seiner Phiolen zwischen die Angreifer, sie explodierte. Dieses Mal war die Wirkung nicht sofort sichtbar, doch nur einige Augenblicke später brachen, die Angreifer mit größeren Verletzungen zusammen. Es war Gift gewesen, das in die verätzte Haut eindrang. Die verbliebenden vier Bauern schienen Halluzinationen zu haben. Sie fingen an zu tanzen und zu singen. Jangarak machte kurzen Prozess mit ihnen, schloss die Tür und schob einige Tische davor. Der Wirt schaute vorsichtig über den Tresen. Er wankte in den Raum und starrte entsetzt auf seine demolierte Einrichtung und den blutbesudelten Boden mit den großen, ins Holz geätzten Löchern. Dann wanderte sein Blick zu dem Pirat, der mehrere kleine Löcher in der Schulter hatte und zu Hans, dessen rechter Arm nutzlos herabhing. Baldemarus gab beiden gerade eine heilungsfördernde und schmerzstillende Arznei. Während der Zwerg lange Streifen aus der Tunika eines Bauern riss. Er wandte sich an Baldemarus. „Du bist mir eine Erklärung schuldig.“ „Ich muss ehrlich sagen, dass ich nicht die geringste Ahnung habe… Wir wissen nicht, warum die hierhergekommen sind.“ Baldemarus zog den Bauern aus den Kohlen, nahm eine weitere Phiole und schüttete sie hinein. Die Kohlen loderten auf. Er nahm eine der Äxte und legte sie ins Feuer. „Pirat, wir müssen deine Wunde ausbrennen, das Bier hat die Flüssigkeit nur verdünnt nicht weggewaschen.“ Der Pirat fügte sich in sein Schicksal, während der Wirt sie mit Fragen überschüttete. Schließlich gaben sie nach und erzählten ihm von ihrer Suche. Der Wirt versprach ihnen, sie nicht zu verraten und bot ihnen ein geheimes Zimmer im Keller an, damit sie sich erholen konnten.
Währenddessen jagte Cecilia dem Bauern hinterher. Dieser rannte auf direktem Wege auf das Burgtor zu, dass sich vor ihm öffnete. Die Zentaurin beschleunigte noch und kam gerade noch durch das sich wieder schließende Tor. Sie kamen auf einen prächtigen Burghof, dessen gepflasterter Boden eine riesige Rose zeigte. Cecilia folgte dem Buchdieb durch eine kleine, hölzerne Tür und eine Treppe hinunter. An den Wänden waren in weiten Abständen Fackeln angebracht, die den Gang spärlich beleuchteten. Mit ihren Hufen viel es Cecilia schwer die schmalen Stufen hinter zu kommen und sie viel immer weiter zurück. Sie versuchte schneller zu sein. Als sie am Fuß der gewundenen Treppe anlangte, traf sie plötzlich etwas Schweres am Kopf und ihr wurde schwarz vor Augen. Als sie erwachte befand sie sich gefesselt in einer feuchten Kammer. An den Wänden hingen Folterwerkzeuge und der Lehmboden wies seltsam schwarze Verfärbungen auf. Eine Tür aus dicken Eisenstäben war der einzige Ausgang. Sie seufzte. Hoffentlich hatten ihre Kameraden genug männlichen Stolz und vor allem genug Glück sie zu retten.
Im Keller der Schenke war Baldemarus damit beschäftigt einen Heiltrank für Hans zu brauen, während die anderen sich über einen Plan der Burg beugten, den der Wirt auf einem rustikalen Holztisch ausgebreitet hatte. „Die ist noch von meinem Großvater, der war Archivar in der Burg, aber er ist in Ungnade gefallen und wurde gehängt, mein Vater war damals noch recht jung. Jedenfalls könnt ihr hier die Abwasserkanäle sehen, die unter der Burg verlaufen. Wenn ihr hier, in diesen Kanal hinabsteigt und dann hier entlang geht“, der Wirt zeigte auf eine dünne Linie in dem Wirrwarr das kreuz und quer über die Karte lief, „dann kommt ihr durch einen Kanaldeckel direkt bei den Kerkern raus. Ich nehme an, dass eure klei- äh eure Gefährtin dort irgendwo gefangen gehalten wird.“ „Wo ist dieser Einstieg? Müssen wir dazu hinter die Burgmauer?“ Der Pirat schaute angestrengt auf die Karte. Er war kein schlechter Kartenleser, aber diese hier war schon sehr verwirrend. „Ich fürchte ja – der Einstieg ist im Burghof…“ Baldemarus hielt den fertigen Trank hoch und verkündete: „Also Hans wird in einigen Stunden wieder kerngesund, oder zumindest fähig sein Rapier festzuhalten. Ich würde vorschlagen, dass wir Cecilia befreien, sobald die Sonne untergegangen ist. Bis dahin sollten wir uns einen Schlachtplan zurechtgelegt haben.“
Als ein alter Mann mit fauligen Zähnen und langen, gelben Fingernägeln die Tür aus Eisenstangen aufschloss ahnte Cecilia nicht Gutes. Von dem Vergreisten ging ein übler, süßlicher Geruch aus, als wäre er eigentlich schon lange tot. Die langen weißen Haare lugten in fettigen Strähnen unter seinem Spitzhut hervor und seine krummen Finger umschlossen einen langen Magierstab. Die Zentaurin durchlief ein Zittern. Was wollte diese widerliche, alte Gestalt von ihr? Sie wich zurück, bis sie mit ihrem Gesäß an die rückwärtige Wand stieß. „Na? Schöne Reise gehabt? Gefallen dir deine Gemächer, holde Maid?“ Seine Stimme hörte sich an, als würde Pergament zerrissen werden und der Hohn war stechender als jede Lanze.
Als die Sonne hinter dem Horizont verschwand standen fünf Gestalten vor der Schenke „Zum fließenden Bier“. Eine von ihnen lehnte eine Leiter an das Haus und die vier anderen stiegen hinauf aufs Dach. „Ich hasse es so wenig zu sehn‘.“ „Pst!!“ Jangarak funkelte den Pirat wütend an, was dieser jedoch durch die Dunkelheit nicht wirklich mitbekam. Der Pirat zog die Leiter hinter sich mit aufs Dach und stellte sie genau auf den Rand des Schornsteins, der nur einen geringen Abstand zur Burgmauer hatte. Leise wie Schatten erklommen sie die Leiter und setzten sich auf der Burgmauer ab. Ein Seil wurde geworfen und dann ging es hinab in den Burghof. Der Eingang in den Kanal lag dicht an der Mauer, etwas abseits – und das aus gutem Grund, es stank bestialisch. Hans verzog angewidert das Gesicht, als er sich als Erster in den dunklen Schacht hinab gleiten ließ. Baldemarus zog sich ein Tuch über Mund und Nase, bevor er ihm folgte. Jangarak und der Pirat tauchten zuletzt in die Finsternis und den Gestank, um dann mit einem Platschen, das hundertfach von den Wänden wiederhalte, in knietiefem Wasser zu landen. Naja, für Jangarak war es eher bauchnabeltief. Er fluchte einen sehr unschönen Fluch in seinen Bart und zog die Spitze von eben jenem aus der modrig, faulig riechenden Flüssigkeit. Hans holte den Kristall hervor, der ein angenehm gelbes Licht verströmte. Ein Lächeln huschte über sein Gesicht – vorher, im Keller des Gasthauses, war es noch blau gewesen. Baldemarus holte die Karte aus einer Innentasche seines Umhangs und entfaltete sie. Jangarak machte mit einem kleinen Meisel Zeichen in die Wände, damit sie den Rückweg auch später noch finden konnten, wenn sie vielleicht auf der Flucht waren und nicht mehr die Zeit dazu hatten auf die Karte zu sehen. Als sie plötzlich etwas Großes vor sich hörten schraken sie zusammen. Wie angewurzelt blieben sie stehen und Hans verbarg das Licht unter seiner Gugel. Alle lauschten, konnten aber nur den halb unterdrückten Atem der jeweils anderen hören. Doch dann schwamm etwas eklig, pelziges zwischen ihnen hindurch. Der Pirat stieß seinen Atem aus. „Nur eine Ratte! Wir sind echt schreckhaft… Denkt euch mal was jetzt Cecilia sagen würde, könnte sie uns so sehen. Schleimig, stinkend und ängstlich!“ Auch die anderen entspannten sich wieder ein wenig, aber nicht ganz. Als sie vor sich den schwachen Lichtschein durch die Ritzen eines Kanaldeckels sahen verlangsamten sich ihre Schritte. Sie durften sich auf keinen Fall durch ein Geräusch verraten. Hans stieg zuerst die rostigen Metallsprossen der Leiter hinauf. Er zog einen seiner sechs magischen Dolche, von denen der blinde Weise erzählt hatte. Ja, er wusste wohl wer sie hatte, aber es war besser, wenn die anderen es nicht wussten. Besser keiner erfuhr auf welche Weise er zu ihnen gekommen war. Das Heft endete in einem Adlerkopf. Es war bisher der einzige Dolch, dessen Magie er bereit einmal verwendet hatte. Bei den anderen wusste er überhaupt nicht wie sie funktionierten. Er drückte die Schneide an den Kanaldeckel über seinem Kopf und konzentrierte sich mit aller Macht auf das, was dahinter geschah. Plötzlich schien der Kanaldeckel durchsichtig zu werden, so dass Hans genau sehen konnte was dahinter geschah. Ein langer Gang erstreckte sich vor und hinter ihm. Auf der einen Seite waren Verliese, die jedoch zum größten Teil leer waren. Auf der anderen Seite war nur kahle Steinwand und weiter entfernt eine Treppe. Gerade trat eine Person aus einem Verlies, dass so weit hinten lag, dass Hans nicht sehen konnte, wer darin war. Sie hatte einen langen Stab in der Hand und einem spitzen Hut auf dem Kopf. Er wartete bis sie auf der Treppe verschwunden war und zählte dann noch bis hundertelf, dann winkte er denn anderen mit dem Kristall, ihm zu folgen.
Die Schmerzen wurden unerträglich. Wie Feuer tobte es in Cecilias Kopf. Sie schrie und wand sich, doch sie verriet nichts. Der Greis war der Hofmagier des Fürsten und er war mächtig, doch bei einem Zentaur Gedanken zu lesen war etwas anderes als bei einem Menschen. Cecilia baute hohe Mauern um ihren Geist und ließ in nicht ein. Er schickte Feuer und Schmerzen doch sie wehrte sich erbittert. Doch das würde auch bei ihr nicht lange halten. Einen Tag hielt sie vielleicht durch, doch spätestens Morgen würde er sie brechen. Er lächelte ein freudloses, böses Lächeln, dann lies er von ihr ab. Sie sank wie tot zu Boden. „Bis morgen!“ Cecilia knurrte wütend, wie ein verletztes Tier, doch es war schon jetzt keine Kraft mehr dahinter. Ihm konnte niemand lange standhalten! Cecilia warf ihm einen bitterbösen Blick hinterher, als er ging. Doch kaum war er nicht mehr zu sehen, krümmte sie sich von neuem und begann zu weinen. Sie durfte die Suche nicht gefährden, sie durfte ihre Gefährten nicht verraten und vor allem durfte dieses Scheusal das Horn nicht bekommen… Ein dumpfes, schabendes Geräusch hallte durch den Gang, wie wenn Stein auf hartem Lehm reibt. Cecilia richtete sich mühsam auf und späte durch die Stäbe ihres Gefängnisses. Dort waren sie, alle vier. Sie streckte einen Arm zwischen den Stäben hindurch und winkte ihnen zu.
Aus dem Verlies, aus dem die Gestalt gekommen war, streckte jemand seinen Arm und winkte. „Ich denk das ist sie.“ Jangarak grinste und lief los. Die anderen folgten. Cecilia sah aus als hätte sie Monate nicht geschlafen und sie zitterte, aber sie weinte nicht. Die vier Männer bewunderten sie heimlich für ihre Stärke, doch sie sagten selbstverständlich nichts dergleichen, sondern fragten sie nur was geschehen sei. Baldemarus schüttete unterdessen eine der Ätzphiolen über zwei der Stäbe aus. Es zischte und das Metall verfärbte sich weiß, doch schien nicht dünner zu werden. Die Zeit dehnte sich ins Unerträgliche. Der Pirat stellte sich an die Treppe, um die anderen zu warnen, falls jemand käme. Plötzlich hörten sie Schritte und kurz darauf sah der Pirat auch schon eine Wache nach unten kommen, er drückte sich neben der Treppe an die Wand und gab das vereinbarte Zeichen. Alle wurden ganz ruhig. Nur das Pochen ihrer Herzen durchbrach die Stille. In dem Moment, in dem die Wache von der letzten Stufe trat, bohrte sich auch schon eine Spitze in ihren Kehlkopf und sie wurde an einem Haken nach hinten gerissen. Jangarak holte mit seiner Zwergenaxt aus und drosch auf die bereits beschädigten Eisenstangen, die knirschten und sich leicht verbogen jedoch nicht nachgaben. Er schlug erneut zu, immer schneller und wilder wie in Raserei. Das ganze machte einen Höllenlärm, doch plötzlich brachen die Stangen und Cecilia konnte sich durch die entstandene Lücke quetschen. Der Krach war nicht unbemerkt geblieben. Sieben Wachen stürzten die Treppe hinunter und das Gepolter weiter oben, lies noch weit mehr Gegner erahnen. Sie rannten auf den Kanaldeckel zu. Cecilia nahm Jangarak einfach auf die Arme, ohne auf sein Protestgeschrei zu achten, mit seinen kurzen Beinen, wäre er einfach ausgeliefert gewesen. Sie riss den Kanaldeckel auf und schmiss den Zwerg hinunter, sie selbst hatte schon größere Schwierigkeiten. Baldemarus und der Pirat nahmen ihre Arme. Langsam rutsche sie erst mit den Hinterhufen durch und riss dann alle mit sich. Mit einem lauten Platschen landeten sie alle im Wasser. Währenddessen hatte Hans sich zurückfallen lassen, er drehte sich um und zog einen der Dolche. Er wusste zwar nicht woher, aber er wusste genau, welchen er jetzt nutzen musste. Der Dolch hatte an seinem Knauf einen Totenkopf. Hans nahm ihn an der Spitze drehte sich im Laufen um und warf. Die Klinge flog nicht, wie sie es normalerweise getan hätte, sondern sie drehte wild Pirouetten und schlitzte dabei den Verfolgern die Kehle auf. Doch Hans hatte sich bereits wieder umgedreht und schlitterte jetzt auf den Schacht zu. Er glitt hinein und warf hinter sich den Kanaldeckel wieder zu. Kurz bevor sich die Kanalöffnung ganz geschlossen hatte, flog der Dolch durch den Schlitz und wieder an seinen Platz unter dem Umhang, in die Dolchscheide an Hans Gürtel. Die Gruppe rannte den Kanal entlang, jedoch nicht den Weg den sie gekommen waren, sondern einen ganz anderen. Jetzt auf dem Burghof zu erscheinen war unklug und darüber wie Cecilia die Burgmauer hinauf kommen sollte, hatte keiner nachgedacht. Die Zentaurin hingegen hatte bereits sehr genau nachgedacht. Mit großer Wahrscheinlichkeit hatte dieser Widerling, dieses Ungeheuer das Buch und wenn dem so war, so war diese Welt nicht mehr sicher. Der hatte bestimmt nicht im Sinn das schwarze Einhorn zu rufen und alle Kranken dieses Landes zu heilen… Sie mussten es zurück holen. Unbedingt. Hinter ihnen hörten sie das Geräusch, das dann entsteht, wenn eine Person in Plattenrüstung in einen Kanal springt – es klirrte und platschte und kurz darauf tat es das noch vier Mal. Die ersten hatten wohl eins und eins zusammen gezählt… „Hier lang!“ Cecilia schlüpfte in eine enge Seitengasse. Hier würden die Wachen ihre Mehrheit nicht nutzen können, da immer nur einer Platz hatte. Allerdings würde Cecilia selbst nicht mitkämpfen können, da sie in der Enge des Kanals nicht die Möglichkeit hatte sich umzudrehen. Baldemarus reichte ihr die Karte und Hans gab ihr den Kristall – vielleicht fand sie ja einen Ausweg? Der erste Wächter kam um die Biegung. Der Pirat wich der langen Pike aus, hakte sich direkt unter der Spitze ein und entwaffnete den Mann mit einer schnellen Drehbewegung. Als der Pirat seitlich zu Wand stand, sprang Jangarak vor und spaltete dem Angreifer mit seiner Axt den Schädel. Dann hasteten die Gefährten weiter. Hans war unruhig. Er wusste, dass sie nicht entkommen konnten. Sie konnten nicht alle töten. Ihm musste etwas einfallen, etwas, dass sie fliehen konnten, ohne bemerkt zu werden. Ein leises Sirren ertönte, so leise, dass nur Hans es wahrnahm. Einer der Dolche – einer mit einem Pumakopf als Knauf – schien ihn zu rufen. Er nahm ihn und kaum, dass er ihn berührte verursachte er kein Geräusch mehr. Auch die Schritte der anderen waren nicht mehr zu vernehmen, nur den Feind konnte man hören. Doch was dann geschah war noch um einiges seltsamer. Der erste der Wachen bog um die Ecke, brach plötzlich in Panik aus und rannte schreiend zurück, wobei er seine Kollegen rücksichtslos an die Wand drängte. Kurz darauf schien eine richte Massenpanik auszubrechen. Geschrei und das klirren von aufeinander schlagenden Waffen war zu hören, dann ein Platschen, als wär etwas Schweres ins Wasser gefallen. Cecilia führte die kleine Gruppe wieder in einen breiteren Gang, wobei sie die Karte aufmerksam studierte. „Wenn wir hier entlang gehen, schaut, dann kommen wir im Keller des Turms an. Nach dieser Karte sind dort hauptsächlich Vorräte gelagert, was weiter oben ist weiß ich allerdings nicht. Ich ahne nur, dass das oberste Turmzimmer von dem Magier bewohnt wird und ich bin mir sicher, dass der das Buch hat!“ Alle beugten sich über die Karte. „Weiter oben ist die Waffenkammer, danach sind nur noch Wohnräume, um die eine ewig lange Wendeltreppe führt. Die können bei einer Belagerung von den verschiedenen Adelsfamilien bewohnt werden, was den Magier angeht liegst du komplett richtig.“ Alle schauten Hans verblüfft an. „Woher weißt du das?“ Baldemarus runzelte misstrauisch die Stirn. „Ich hab doch schon gesagt, ich hab schon mal hier gearbeitet, aber das ist jetzt doch nicht wichtig, wir müssen das Buch zurück bekommen!“ Er beschleunigte seine Schritte. Wie froh er sein würde, wenn er endlich wieder allein arbeiten konnte. Zusammenarbeit war nichts für ihn. Es dauerte nicht lange, bis sie an einem Gang vorbeikamen, der leicht anstieg. An dessen Ende befand sich eine Tür aus schweren Eisen, aber einem wirklich lächerlichen Schloss wie Hans schnell herausfand, als er einen Dietrich aus seiner Gürteltasche zog und die Tür nach nur wenigen Versuchen aufsprang. „Woher kannst du das? Und warum hast du das bitte nicht schon vorher beim Verliesschloss gemacht?!“ Der Pirat warf ihm einen vorwurfsvollen Blick zu. „Das ist nur so ‘ne Spielerei von mir. Die Verliesschlösser sind sehr viel komplizierter.“ Sie traten in einen vollgefüllten Vorratskeller. Doch hier stapelten sich nicht nur Würste, Gepökeltes und getrocknete Früchte, sondern auch Unmengen von Wein und Bier. Jangarak vielen fast die Augen aus dem Kopf und auch Cecilias Augen begannen zu leuchten. Nach kurzer Zeit waren ihre Taschen und Trinkschläuche voll. Dann schlichen sie die lange Wendeltreppe hinauf, doch der Turm schien sowieso wie ausgestorben, nichts regte sich. Als sie völlig außer Atem oben ankamen, hatte niemand von ihnen auch nur den Schatten einer Person gehört oder gesehen. Sie standen vor einer großen Eichentür, in die seltsame Zeichen geritzt waren. Nach einem kurzen Innehalten und Atem schöpfen traten sie auf die Tür zu, die genau in dem Moment aufschwang. „Ich habe euch erwartet. Tretet ein.“ Die trockene Haut spannte sich über die knochige Gestalt vor ihnen. Den Umhang hatte der Magier abgelegt, ebenso den Hut. Nun viel sein langes, strähniges Haar auf eine blutrote Robe. „Allerdings dachte ich ihr wärt fünf…“ „Dann habt ihr euch wohl geirrt.“ Cecilia antwortete so schnell, dass niemand seine Verwirrung auch nur ansatzweise hätte äußern können. Auch wenn keiner von ihnen genau wusste wann Hans verschwunden war, denn er war es der auf einmal fehlte. Doch sie nahmen sich an der Pferdefrau ein Beispiel und mimten die Unwissenden. In den Gemächern des Alten war es stickig, doch sauberer, als sie erwartet hatten. Das Zimmer war völlig rund und hatte an den Wänden überall, der Wandform angepasste, Regale, die vollstanden mit hunderten alter, in ledergebundener Bücher. Nur vor den vier hohen, Spitzbogenfenstern stand nichts. In der Mitte war ein runder Tisch mit sieben Sesseln darum. Obwohl sie nirgends einen Ofen oder dergleichen entdecken konnten, war es so warm in dem Zimmer, dass ihnen der Schweiß aus den Poren rann. Das ungute Gefühl, dass sie beim Betreten der Stadt beschlichen hatte, nahm hier konkrete Formen an.
Hans war bereits ein Stockwerk drunter aus einem der Fenster geschlüpft, den Katzendolch fest in der Hand. Es war als hätte eine innere Stimme im das befohlen und er musste ihr gehorchen. Er schob sich das Heft zwischen die Zähne und begann an der Außenseite hochzuklettern. Der Wind riss an seinem Mantel und die Schneeflocken die noch immer vom Himmel fielen brannten in seinem Gesicht und auf seinen Fingern. Doch er schob sich Stück für Stück aufwärts, seinen normalerweise eher beschaulichen Kletterkünsten zum Trotz. Endlich erreichten seine Finger das Sims, das ihn in das Zimmer des Magiers führen würde. Doch Hans wusste genau, dass das nicht nur ein Magier war. Bereits sein Urgroßvater hatte für ihn gearbeitet und damals war er schon alt gewesen. Was auch immer diesen Mann am Leben hielt – normal war es nicht. Auf dem schmalen Sims balancierend spähte er durchs Fenster.

Zeichenbeschränkung…

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Drinnen saßen seine Gefährten und wurden von den selbstgefälligen Tiraden des Magiers zugetextet. Das Fenster war ein Spalt weit offen und so konnte Hans das Meiste verstehen. Vorsichtig und geschmeidig wie eine Katze glitt er durch die enge Öffnung. Er quetschte sich in den Zwischenraum zwischen dem Bücherregal und der Wand. Dann zog er noch einen weiteren Dolch. Dieser endete in einer Kralle, die eine Kugel in der Hand hielt. Er erinnerte sich noch genau an die Worte seines Urgroßvaters bevor er starb. „Das ist ein Dämonentöter. Es ist die einzige Waffe, die einen Magier von der Größe des Meisters zu besiegen vermag.“
„Wisst ihr denn bereits, wer der Fünfte in eurem Bunde ist? Wisst ihr, ihr könnt das Horn nur zu fünft finden.“ Die kratzige Stimme und der stets überhebliche Blick, machte Hans ganz kribbelig. Nun war er froh, nicht magisch begabt zu sein. Ihn hätte er nicht als Meister haben wollen! „Wir werden dir nicht helfen!“ Es schien fast als würden Funken aus Cecilias Augen sprühen. „Doch das werdet ihr. Ihr habt überhaupt keine Wahl.“ Die grauen Augen des Magiers wurden auf einmal blutrot und Cecilia sank vor Schmerzen schreiend zu Boden. Die anderen wollten ihr zu Hilfe eilen, doch sie erstarten in der Bewegung. Der Hofmagier ergötzte sich an dem Leid, dieses, wie er fand, unglaublich hässlichen Wesens, halb Mensch halb Pferd, so völlig unvollkommen. Hans nutzte seine Chance und setzte zum Sprung an. Im nächsten Augenblick flog er auch schon mit animalischer Eleganz durch die Luft. Er rammte dem Meister seiner Väter den Dämonentöter tief zwischen die Schulterblätter, während der Katzendolch klirrend zu Boden fiel – es war stets nur ein Dolch zur gleichen Zeit nutzbar. Als er ihn wieder herausriss fehlte die Spitze – die würde bis zum Herzen dieses Monsters wandern und es durchbohren. Cecilia hörte plötzlich auf zu schreien und sackte in sich zusammen. Die anderen stürzten zu ihr, während Hans sich bückte und den Wegweiser aus der Gürteltasche des Toten zog. Jetzt würden sie das Horn finden können! Er schlug es auf und stellte mit Erstaunen fest, dass die Karte, die auf der ersten Seite abgebildet war die Edelsteinminen des Fürsten zeigte. Baldemarus hatte Cecilia unterdessen eine Flüssigkeit aus einer kleinen, braunen Phiole eingeflößt, die zwar offensichtlich grauenhaft schmeckte, aber zu wirken schien. Mühsam rappelte sie sich auf. „Also wo müssen wir hin?“ Hans lächelte. Ihr Tatendrang und ihr Wille waren wohl niemals zu brechen. „Erst mal hier raus.“ Jangarak nahm sich eine der Würste, die er mitgehen hatte lassen und biss ab. „Auch wenn die Verpflegung zugegebener Maßen nicht schlecht ist.“
Als die Fünf auf den Burghof kamen, glitzerte der Schnee bereits in den ersten Sonnenstrahlen. Alles leuchtete in rot und orange. Auch der Torhüter schien dieses Naturschauspiel zu bewundern. Er ließ sie ohne irgendwelche Schwierigkeiten passieren und wirkte dabei sogar fröhlich. Es war fast so, als hätte der Tod des Magiers einen Fluch von der Stadt genommen. „Er hat zu mir gesagt, dass er schon viele gebrochen habe und es bei mir auch schaffen werde. Was ist wenn er die alle kontrolliert hat? Wie viele Unschuldige wohl wegen ihm von uns getötet wurden?“ Cecilia flüsterte die Worte fast, so ergriffen war sie von dieser Möglichkeit. „Besser tot, als unter der Kontrolle dieses Wahnsinnigen! Und was meinst du wie viele wir durch unseren Kampf befreien konnten“, versuchte der Zwerg sie zu trösten. Trotzdem schmeckte ihr Sieg plötzlich bitter. Sie dankten noch kurz dem Wirt, doch dann zogen sie weiter, Richtung Edelsteinminen. Der Kristall leuchtete inzwischen rot und alle waren sich sicher, dass sie fast am Ende ihrer Suche angelangt waren.
„Was wollt ihr hier?“ Der Leiter der Minenarbeiter zog fragend die Augenbrauen hoch. „Wollt ihr hier arbeiten? Also den Zwerg nehm ich sofort und das Pferd kann gern die Loren aus dem Berg ziehen. Du siehst auch noch recht nützlich aus, aber so einen Schwächling wie dich und einen mit nur einer Hand kann ich nicht gebrauchen.“ „Ein Pferd?!“ Cecilia Gesichtsfarbe wurde so rot, dass der Sonnenaufgang sich wohl geschämt hätte, wäre er nicht längst einem klaren Winterhimmel gewichen. Doch auch der Pirat und Baldemarus waren sichtlich erzürnt. „Mit meinem Haken kann ich mehr als sie mit beiden Händen!“ „Ich bin vielleicht nicht stark, aber klüger als du bin ich allemal!“ Der Mann zuckte die Schultern und wandte sich zum Gehen. „Dann eben nicht, aber Besucher wollen wir hier keine, also zieht besser weiter.“ Die Gruppe machte kehrt, doch keiner von ihnen dachte auch nur daran zu gehen. Kaum war die Sonne hinter den Wipfeln der Bäume ringsumher entschwunden, schlichen sie zurück und in die Mine, die nach Karte die richtige war. Durch ein Gewirr von Gängen kamen sie schließlich an einen Gang, der durch all das Geröll, das in ihm lag kaum begehbar war. Vor allem Cecilia rutschte immer wieder weg. Doch das Buch zeigte ihnen eindeutig, dass sie hier lang mussten. Doch irgendwann versperrte ihnen ein besonders großer Felsbrocken den Weg. Da nahm Hans seinen letzten Dolch, einen mit einem Bärenkopf, am Ende und schnitt sich damit in die Hand. Sofort spürte er eine enorme Stärke in sich erwachsen, doch auch er schaffte es nicht den Fels wegzubewegen. Da zeigte er schließlich den anderen den Dolch. Baldemarus schmunzelte. „Aber wir wissen doch schon die ganze Zeit, dass du die Dolche hast. Wer sollte sie sonst haben? Keine Sorge niemanden interessieren hier deine Geheimnisse. Die haben wir doch alle und jetzt sag uns wie er uns weiter hilft.“ Die Bärenklinge wurde rumgereicht und gemeinsam wälzten sie den schweren Stein zur Seite. Dahinter kam eine schmucklose Tür zum Vorschein. Der Pirat öffnete sie und sie traten in einen hohen Raum, dessen Wände ganz aus buntem Glas waren. Die Halle war riesig und wunderschön. In der Mitte stand ein gläserner Altar. Hans trat an ihn heran und legte das Buch und den Kristall auf die glatte, durchsichtige Oberfläche. Das Leuchten des Kristalls wechselte von rot auf grün und dann auf strahlendes weiß. Das Buch blätterte selbstständig bis zu seiner Mitte und zeigte den Opferdolch und eine Aufforderung – „Wähle dein Opfer oder ziehe weiter“. Die Freunde sogen scharf die Luft ein. Entweder sie opferten einen von sich, oder die ganze Suche war um sonst. „Ich opfere mich. Wer es schafft einen anderen skrupellos hier zu opfern, der sollte das Horn nicht bekommen. Ich werde mich selbst opfern!“ Entsetzt schauten alle zu Cecilia, der Zentaurin mit dem schneeweißen Fell, aber so dunkler Haut, dass sie wohl nie einen Sonnenbrandt bekam. „Gib mir den Ritualdolch Hans!“ „Nein!“ Hans taumelte zurück. Sie waren bis hier gekommen, bis an ihr Ziel und jetzt sollte noch einer sterben? Ohne Kampf? Ohne Hoffnung auf einen Sieg? Nein, das konnte er nicht zulassen! „Gib ihn mir!“ Cecilia machte einen Schritt auf ihn zu und streckte ihm die Hand entgegen. „Lass uns einfach wieder gehen und das Ganze vergessen.“ Der Pirat schaute Cecilia eindringlich an. „Du musst das nicht tun. Wir wollen das Horn doch sowieso nur, um es zu vernichten…“ „Na gut…“ Doch kaum hatten sich die anderen zum Gehen gewandt, riss Cecilia Hans nach hinten, griff unter seinen Umhang und zog seinen Ritualdolch hervor. Sie schnitt sich die Kehle durch bevor irgendwer reagieren konnte. Erschrocken, voll Trauer im Blick sprangen die Gefährten zu ihr. Doch es war zu spät. Wie hatten sie nur glauben können, dass dieser größte Dickkopf und dem dickköpfigsten Volk überhaupt so leicht nachgeben würde? Doch im gleichen Moment, in dem der erste Blutstropfen den Boden berührte, ertönte ein tiefer, lauter Ton, der immer mehr anschwoll und dann plötzlich abbrach. Ein Drache erschien mit einem wahrhaft riesigen Horn in den Klauen und ein schwarzes Einhorn, welches, ihre Freunde beiseite drängend, auf Cecilia zutrabte, und sie beweinte. Kaum fiel eine der Tränen auf die Zentaurin, schloss sich die Wunde am Hals und sie begann von neuem zu atmen. Dann verschwand das schöne Wesen in einer der Wände aus buntem Glas. Völlig ungläubig wurde Cecilia aufgeholfen und in die Arme vierer schluchzender Männer genommen. Der Drache aber landete hinter dem Alter auf seinen hinterbeinen und sprach mit einer dröhnenden, tiefen Stimme zu den Freunden. „Ihr habt das magische Rufhorn gefunden, doch wisset, es birgt große Gefahren, die ihr jetzt noch nicht ermessen könnt!“ „Danke, für deinen weisen Rat und wir wollen ihn gerne beherzigen! Darum bitten wir dich, zerstöre das Horn und gehe wieder in die Welt, in die du gehörst!“ Hans stand aufrecht da und blickte dem Drachen direkt in die Augen. Dieser blickte voll Erstaunen zu den fünfen hinab und als diese lächelnd nickten stieß er eine Art Freudeschrei aus, das als donnerndes Brüllen von den Wänden wiederhallte, zerdrückte dabei das Horn in seinen riesigen Pranken und verschwand in eben dem Moment, in dem die Überreste des ehemals so mächtigen Artefakts den Boden berührten. Völlig sprachlos starrten die fünf Freunde auf diese Hornreste, dann gingen sie geschlossen zurück – zu einer gewissen Schenke… Der Wirt war begeistert von ihrer Geschichte und fand, dass sie sie aufschreiben lassen sollten. So gingen sie einen Tag später zu einem Schreiber und Cecilia nutzte die Gelegenheit gleich sich von dem Hufschmied in der Nähe sich mit einem vernünftigen Schmiedehammer einige Neue Nägel in ihre Hufeisen schlagen zu lassen, die wackelten nämlich seit dem Minenbesuch und sie war nicht der Meinung, dass jeder das konnte, oder das jedes Werkzeug dafür geeignet war. Sollten sich die Männer doch über sie lustig machen! Und wenn sie nicht gestorben sind, taten sie dies wohl auch, wenn sie sich ausgelassen besauften in irgendeiner Taverne, doch Cecilia leerte dann sicher nur ihren Krug und freute sich, dass die Männer die Zeche zahlten.

Meine Geschichtenispiration für den nächsten:
Die Flamme flackerte unruhig, drückte sich nach unten. Kein gutes Zeichen, wahrlich kein gutes Zeichen. Doch sie musste dort hinunter. Heute noch, oder es würde zu spät sein. Wenn es das nicht sowieso schon war. Ob es irgendwo noch eine Öffnung gab? Sauerstoff? Hatte sie eine Chance?
Reizwörter: Kanarienvogel, Grubengas, Explosion, nein, Sonnenstrahl

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Eine tolle Idee, ich bin nur gar keine Schreiberin, aber ich lese gerne mit :kissing_heart:

Schon gelesen? o.O

Ja, gefällt mir sehr gut, du hast viel Phantasie und da hast du auch das passende Hobby.
:clap:

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Wahnsinn! Gute Geschichte. Ich bin leider auch nicht so kreativ, lese aber auch gerne weitere.
Schreibst du auch Plots für Cons?

Nein

Keiner, der eine Geschichte daraus bauen möchte?

Vielleicht könnte man hier stattdessen auch einfach einen Thread draus machen, wo jeder seine bereits bestehenden Geschichten schicken kann, wenn er möchte. :slight_smile:

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Sorry, nix für mich. Hoffentlich findest du andere, die daran Spaß haben.

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