Wortwahl bei expliziten Sexszenen

Hallo,

ich habe da einmal eine vielleicht ungewöhnliche und etwas schamlose Frage :sweat_smile:

Ich gehöre zu den Lesern, die lieber die englischen Originale lesen, insbesondere bei Liebesromanen oder erotischen Romanen. Die meisten Sexszenen auf deutsch lassen mich nur zusammenzucken - und das fängt schon bei Synonymen zu Vagina, Penis und miteinander schlafen an…

Daher meine Frage: Welche der Begrifflichkeiten lest ihr am liebsten und von welchen wünschtet ihr euch, sie würden in diesem Kontext komplett aus dem Wortschatz verschwinden?

Ich kann zum Beispiel das Wort „Muschi“ nicht ab… und ziehe tatsächlich das englische Wort „Pussy“ auch in einem deutschen Buch vor… :see_no_evil: Oder Pforte… auch ganz schlimm!! :confounded:

Oder im Englischen habe ich kein Problem damit, das Wort „fuck“ zu lesen, aber „ficken“ im Deutschen ist mir zu vulgär :joy:

Gibt es vielleicht Bücher, in denen ihr besonders die expliziten Szenen besonders gut geschrieben findet? Welche?

Ich bin auf eure Antworten gespannt

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Was besonders positives fällt mir gerade nicht ein, aber auf deutsch finde ich Ausdrücke wie “in sie reinhämmern” weder romantisch noch erotisch :stuck_out_tongue_closed_eyes:

Generell stören mich englische Begriffe auch weniger und ich kann mir auch gut vorstellen, dass es Übersetzern auch mal schwerfällt, solche Szenen zu schreiben, weil die auf deutsch irgendwie viel härter und vulgärer klingen. So kommt es mir zumindest vor.

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Ja, das sehe ich genauso. Verwendet man dieselbe vulgäre Sprache im Deutschen, klingt es viel grober … und eben nicht mehr sexy. Aber verwendet man immer nur dieselben weichgekochten Begriffe, wird es schnell öde … Wo liegt also die goldene Mitte? Was ziehst du vor? Weicher oder ist bei einer intensiveren Begegnung auch mal eine rauere Wortwahl okay / gut?

Reinhämmern, rammen, rammeln, pumpen, alles nicht so das Gelbe vom Ei :joy:

Ich habe gerade ein Buch einer englischsprachigen Autorin zur Korrektur und bin einfach aufgeschmissen. „Muschi“, „Schoß“ und „Liebe machen“… urks :see_no_evil:

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Ich sehe da keinen Unterschied. Ob einer auf Deutsch oder Englisch in die schon mindestens drei Orgasmen habende eben noch Jungfrau gewesende Dame reinnagelt oder reinhämmert finde ich beides bescheuert.
Noch bescheuerter finde ich Dark Romances, bei denen - so weit ich das bis jetzt erkennen konnte - Vergewaltigung als etwas Wünschenswertes dargestellt wird.

Auf english oder auf deutsch sind die Begriffe immer im Zusammenhang zu sehen.
Bei einer Vergewaltigung wäre die Beschreibung Liebe machen völlig fehl am Platz, während das bei einer zärtlichen Begegnung eines Liebespaares passend ist.
Genauso würde eben das reinhämmern zu einer übergriffigen Szene richtig gewählt sein.

Was mich eher nervt sind manche Umschreibungen der Genitalien, wo es einfach nicht sein muss, wo einfach Prüderie oder Schamhaftigkeit vorgeschoben wird. Wenn Sexszene, dann nicht noch hinter Worten verstecken. Bei JD Robb ist das oft. Da wird eben nicht die Scheide, die Klitoris berührt, sondern die Weiblichkeit, ihre sehnsuchtsvollen Irgendwas…fällt mir grade nicht mehr im Wortlaut ein.
Genauso ist der Penis ist eine Lanze, sein mächtiges Schwert…ähm. ja…nur ohne Klinge und Blut vergießen?

Die meisten Sexszenen leben von der ganzen Stimmung und nicht nur von dem reinen Akt. Da muss das in sich stimmig sein und ansonsten überfliege ich das nur, ignoriere die gewählten Wörter und sehe nur die Szene…

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Hihi, gute Frage und interessante Antworten :smiley:

Mit diesen altbackenen Synonymen à la “Zauberstab” und “Lustgrotte” kann man heute wohl tatsächlich keinen Blumentopf mehr gewinnen.
Ansonsten bevorzugt die Leserschaft vermutlich je nach Ausrichtung der Geschichte - von zart, romantisch, realistisch bis hart, lustbetont, fantasievoll - jeweils das passende Vokabular.
Wobei, wie schon geschrieben, jeder seine persönlichen “Unwörter” hat. Bei mir ist’s u.a. die “Möse” oder noch schlimmer, der “Mösensaft” :see_no_evil:

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Da ich das Genre schon seit 'ner Weile etwas sehr über habe, habe ich wohl viele Begrifflichkeiten verdrängt, die mir entweder gefallen haben oder die ich lächerlich fand. Nur eins hat sich irgendwie ins Hirn gebrannt, kann schon aus “Shades of Grey” gewesen sein - Klit. Klingt absolut furchtbar für mich.

Mir geht es da ehrlich gesagt wie dir. Ich mag auch das Wort “Muschi” oder gar “Mumu” nicht. Ich finde diese Wörter wirklich schlimm. Aber wie auch bei dir finde ich die englischen Begriffe oft einfach besser. Durch dem dass wir heutzutage ja eh immer mehr englische Wörter in unseren Sprachgebrauch aufnehmen, stört mich das in Büchern auch gar nicht bzw. mir fällt es auch einfach oft gar nicht auf, dass ein bestimmtes Wort englisch ist.
Ich glaube, ich habe letztens auch wirklich in einem Buch gelesen, dass jemand “sein Rohr verlegen” möchte, was ich persönlich jetzt auch nicht gerade so toll finde. Ich weiß nicht, aber ich finde diesen Ausdruck ehrlich gesagt mehr abstoßend als anziehend.

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Ich mag das Wort, aber in 'nem Buch mag ich’s nicht lesen - das könnte ich nicht ernstnehmen :woman_shrugging:

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Ich habe erotische Geschichten in beiden Varianten veröffentlicht, hart bis zart. Sehr explizite und harte / ordinäre Ausdrücke finden viele Männer klasse und poetische Beschreibungen finden viele Männer langweilig. Man kann es also im Grunde genommen nie!an dem recht machen.

Naja, um Recht machen geht es hier nicht.
Und ich kenne keinen Mann, der es tatsächlich toll findet irgendwo reinzuhämmern. Und es soll auch Männer geben, die eine romantische Szene mögen…
Insgesamt geht es doch darum Sexszenen darzustellen und in der Wortwahl angemessen zu sein. Eine One Night Stand im Park nach dem Kneipenbesuch ist wenig romantisch und darf auch klar beschrieben werden.
Ein 40jährige Protagonistin die ihre Mumu schamhaft versteckt liest sich doch schon etwas merkwürdig.

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Sehr interessante Frage. Ich habe auch immer wieder Momente, die mich komplett aus der Story schmeißen, weil ich die Wortwahl so unpassend finde. Die meisten Probleme habe ich auch mit den Synonymen für Penis und Vagina. Möse und Muschi finde ich ganz schlimm, sogar ziemlich abwertend. “Mösensaft” geht auch gar nicht, das finde ich richtig eklig. Dann kann es meiner Meinung nach lieber ins poetische Richtung Nektar oder Honig gehen. Das Rohr auf der anderen Seite kann ich auch nicht wirklich ernstnehmen.
Ich lese daher auch erotische Romane viel lieber auf englisch. Da gibt einem die Fremdsprache von vornherein mehr Distanz und man verbindet nicht so viel mit den Vokabeln. Ich kann aber auch verstehen, dass die Übersetzung schwierig sein kann. Ich bin mal gespannt, ob hier noch mehr Beispiele genannt werden, bei denen ich denke “OH ja, das kann ich verstehen”.
Fallen euch noch welche ein?